
Ehrenamt gegen Einsamkeit: In der Pfalz helfen Projekte wie der Türöffner in Landau und Deutschkurse in Ludwigshafen, Menschen zusammenzubringen.
Einsamkeit ist ein Thema, das uns alle angeht – egal ob jung oder alt. In der Pfalz gibt es zum Glück viele Menschen, die aktiv etwas dagegen tun. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer schaffen Begegnungen, stiften Verbindungen und geben anderen Menschen das Gefühl, dazuzugehören. Wir stellen dir einige dieser bemerkenswerten Projekte aus unserer Region vor.1
Eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten in dieser Geschichte ist Traudl Nierlich aus Ludwigshafen. Die 74-Jährige engagiert sich in mehreren Ehrenämtern gleichzeitig – und nebenbei paukt sie noch Italienisch-Vokabeln. „Wenn ich mir jetzt vorstellen würde, ich hätte nur Arzttermine: Das wäre grauenvoll! Und ich würde bestimmt schneller altern“, sagt sie mit einem Lachen.1
Jeden Dienstag gibt Nierlich ehrenamtlich Deutschunterricht für Geflüchtete im Heinrich Pesch Haus – ganz niederschwellig, jeder darf einfach kommen. An einem typischen Dienstag sitzen dort zum Beispiel zwei Bulgarinnen und eine Ukrainierin mit ihr am Tisch. Sie üben gemeinsam, wie man auf Deutsch die eigene Familie beschreibt. Diese Frauen kommen zusätzlich zu ihren offiziellen Sprachkursen hierher – weil die persönliche Begegnung etwas bewirkt, das kein Lehrbuch ersetzen kann.1
Manchmal ist Nierlich auch im „World Café“ der Stadt anzutreffen, wo sie sich auf Deutsch mit Ausländerinnen und Ausländern unterhält. Und nebenbei unterrichtet sie einen afghanischen Jungen. Die 74-Jährige wohnt in einem betreuten Wohnhaus – ohne ihr ehrenamtliches Engagement wäre sie allein. „Ich gebe der Gesellschaft so etwas zurück“, sagt sie. „Das finde ich einfach spannend. Dass man nicht einfach nur sich und seine eigene kleine Welt beackert.“1
Viele Kilometer weiter südlich, im südpfälzischen Landau, läuft das Projekt „Türöffner“. Sozialpädagogin Susanne Poerschke hat das Projekt der Diözese Osnabrück in die Region geholt. Das Prinzip ist einfach und wirkungsvoll: Menschen, die eine sinnvolle Beschäftigung suchen, werden mit anderen zusammengebracht, die Hilfe brauchen – zum Beispiel Rentnerinnen und Rentner, die sich allein fühlen.1
Seit drei Jahren läuft das Projekt bereits, und mittlerweile sind 30 Tandems entstanden. „Mindestens einmal die Woche bekommen wir einen Anruf und versuchen, die Person weiterzuvermitteln“, berichtet Poerschke. Sie beobachtet dabei einen klaren Trend: Einsamkeit nehme in der Gesellschaft immer weiter zu – auch unter jungen Menschen. Besonders seit Corona sei das Gefühl der Isolation gewachsen. „Aber oft fehlt den Leuten das Wissen oder die Idee, was sie machen können“, so Poerschke – und genau da setzt das Türöffner-Projekt an.1
Neben gezielten Ehrenamtsprojekten gibt es in der Region auch städtische Angebote, bei denen einfach Menschen zusammenkommen können – ganz ohne große Hürden:1
Was all diese Projekte verbindet, ist eine einfache Wahrheit: Begegnung hilft. Ob ein Gespräch beim Spaziergang, eine Bingo-Runde am Mittwochnachmittag oder ein Deutschkurs mit einer 74-Jährigen, die selbst dabei wächst – jede Verbindung zwischen Menschen macht einen Unterschied.1
Für Traudl Nierlich ist das Ehrenamt längst mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Es ist ihre Art, durch den Tag zu kommen – mit Sinn, mit Begegnung, mit Leben. Sie hat beim Kinderschutzbund geholfen, bei der „Nummer gegen Kummer“ gearbeitet und tut es seit fast ihrem ganzen Leben. „Mir ging es immer gut genug, bis auf die Schicksalsschläge“, sagt sie. Und aus dieser Haltung heraus gibt sie zurück, was sie kann.1
Vielleicht ist auch etwas für dich dabei? Ob als aktive Ehrenamtliche oder einfach als jemand, der Anschluss sucht – in der Pfalz gibt es viele offene Türen. Man muss nur hindurchgehen.






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