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ANTENNE Interview mit Helge Weichmann

today29. April 2025 127 8

Hintergrund
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Ludwigshöh und Elwetritsch

Es ist ein riesiger Spaß – perfekt für einen gemütlichen Nachmittag auf der Terrasse. Das neue Buch von Helge Weichmann:„Ludwigshöh & Elwetritsch“. Es spielt bei uns in der Pfalz – und der Star ist eine Elwetritsch. Es ist der dritte Roman aus der Krimireihe. Wie es zu der Idee kam, die Elwetritsch in seine Bücher einzubauen und warum die Bücher absolut lesenswert sind – darüber sprechen wir mit Autor Helge Weichmann im Antenne Interview:

Antenne: Worum geht es in Ihren Büchern?

Helge Weichmann: Die Reihe mit der Elwetritsch ist eine kleine Krimi-Reihe, die in der Pfalz spielt, in einem fiktiven Dörfchen in der Nähe von Edenkoben. Und da geht die Handlung um einen Kommissar, Kommissar Bleibier, der eines Tages Besuch bekommt von einem Fabelwesen aus dem tiefen Pfälzer Wald, einer waschechten Elwetritsch. Die Elwetritsch begleitet ihn dann in der nächsten Zeit, leert seine Weinvorräte, futtert ihm den Kühlschrank leer und hilft aber auch ganz nebenbei bei der Lösung von Kriminalfällen eben auf ihre ganz spezielle elwetritschige Weise.

Antenne: Die Elwetritsch ist ein Fabelwesen. Sie hat ja bereits ein Gesicht – allerdings haben Sie der Elwetritsch darüber hinaus auch noch einen Charakter verpasst. Was ist daran aus der spaßigen Elwetritsch Forschung übernommen und was von Ihnen erfunden?

Helge Weichmann: Die Elwetritsch ist so ein Mischwesen zwischen tatsächlicher Tritschologie, die in der Pfalz ja als ernsthafte Wissenschaft betrieben wird, und Autorenfantasie. Ich habe tatsächlich mit einigen Elwetritschen-Fachmännern und Frauen gesprochen und einige der typischen Elwetritsch-Eigenschaften sind ins Buch übernommen. Beispielsweise, dass sie eben für die Menschen so gut wie unsichtbar sind, dass man sie nur unter erheblichem Alkoholeinfluss sehen kann, dass sie Eier legen, die aber im Laufe ihrer Ei-Zeit wachsen und immer größer werden. Das sind die tatsächlichen realen Eigenschaften von Elwetritsche. Und dann kommt die Autorenfantasie dazu, denn ein Fabelwesen ist für uns Autoren eine perfekte Projektionsfläche für alles, was gerade gebraucht wird an möglichen und unmöglichen Fähigkeiten. Und diese besonderen Fähigkeiten helfen dann eben immer wieder, die Fälle zu lösen und entsprechend beim Showdown dann den richtigen Kniff zu kriegen.

Antenne: Ich musste bei ihrer Elwetritsch an das Sams denken. Was halten sie davon?

Helge Weichmann: Also tatsächlich hatte ich weniger an das Sams gedacht, sondern an eine ganz andere Figur, nämlich an den Pumuckl. Weil der Pumuckl, der ist ja als Kobold eigentlich aus demselben Holz geschnitzt, der erscheint beim Meister Eder, stellt jede Menge Schabernack an, ist aber für den Rest der Welt unsichtbar. Und ganz ähnlich verhält es sich mit der Elwetritsch. Die ist zwar nicht im klassischen Sinne unsichtbar für andere Menschen, aber sie versteht sich unglaublich gut zu tarnen und zu verstecken. Und das bringt uns zu der Situation, dass alle übrigen Menschen von der Existenz der Elwetritsch keine Ahnung haben, außer unserem Kommissar. Und der dann immer wieder in die Bredouille gerät, wenn die Elwetritsch Unsinn anstellt und er muss dem Rest der Welt erklären, was hier gerade passiert ist, ohne zu erwähnen, dass eine Elwetritsch dahinter steckt. Also im Prinzip der Pumuckl auf Pfälzisch im Gewand einer Elwetritsch.

Antenne: Wie sind Sie auf die Idee mit der Elwetritsch gekommen?

Helge Weichmann: Das ist von der Idee her so entstanden, dass ich schon immer ein Faible für Elwetritsche hatte, als Pfälzer. Und nachdem ich dann hier in Mainz, in meiner Wahlheimat, schon einige Kriminalromane geschrieben hatte, kam die Idee, einen Pfälzer Krimi zu schreiben. Und da ist dann irgendwann der Einfall dazu gekommen, ja, Moment mal, warum nicht mit einer Elwetritsch als Sidekick? Und aus dieser fixen Idee ist dann die erste Romanhandlung entstanden. Und das hat so gut funktioniert und den Leserinnen und Lesern auch so viel Spaß gemacht, dass dann ganz klar war, das muss weitergehen. Die Elwetritsch und ihr Kommissar müssen auf jeden Fall weitere Abenteuer erleben.

Antenne: In Ihrer Elwetritsch steckt ja viel Erfundenes – und nicht nur wissenschaftlich belegtes (es gibt tatsächlich eine Elwetritschen Forschung, wenn auch nur spaßig gemeint). Haben sich daran auch schon Leser gestört oder sich beschwert?

Helge Weichmann: Bis jetzt sind die Reaktionen zum Glück alle super positiv. Die Leute genießen die Elwetritsch mit ihrem frechen Schnabel und mit ihren schier unmöglichen Fähigkeiten. Und das Feedback ist so, dass es heißt, bitte mehr schreiben. Die Elwetritsch soll noch mehr verrückte Sachen erleben. Das gefällt uns unheimlich gut. Und wenn tatsächlich jemand sagt, ob das alles so richtig ist mit der Elwetritsch, dann habe ich ja den perfekten Konter. Ich kann sagen, das ist ein Fabelwesen und dem kann ich als Autor alles andichten. Und dass das nicht so ist, das musst du mir erstmal beweisen. Und die Argumentation ist mehr als schlüssig, oder?

Antenne: Absolut! Die Elwetritsch als Pfälzer Fabelwesen ist das eine. Sie beschreiben auch viel aus der Pfalz in ihren Büchern. Wie wichtig ist Ihnen das?

Helge Weichmann: Finde ich ganz wichtig. Die Pfalz ist in jedem Winkel und in jeder Ecke schön, aber der Haardtrand hat eben doch immer noch eine ganz besondere Strahlkraft. Schon allein durch die Landschaft, durch die Weindörfer, durch die Reben, durch den Pfälzerwald. Und diese Landschaft soll und muss auf jeden Fall wiederzuerkennen sein. Es passiert auch regelmäßig, dass der Kommissar, wenn er eben irgendwo unterwegs ist, kurz innehält, sich die Landschaft betrachtet und ins Schwelgen gerät und jede Pfälzerin und jeder Pfälzer wird sofort sagen, ach genau, genau das sind die Gedanken, die man hat, wenn man auf dieses wunderschöne Stück Land schaut.

Antenne: Für Ihr Buch haben Sie auch einen Song aufgenommen. Einen Rap. Wie kam es dazu?

Helge Weichmann: Ja, diese Rap-Sache, die ist inspiriert von, wir erinnern uns alle, Barbaras Rhabarber Bar, die, glaube ich, letztes Jahr echt durch die Decke ging. Und als ich überlegt habe, wie bewerbe ich das Buch auf eine witzige und kurzweilige Art und Weise, dann kam die Idee, ein Pälzer Rap, die Handlung des Buches als kleiner Zungenbrecher. Und das habe ich ausprobiert und überraschenderweise hat es funktioniert. Und jetzt läuft der Rap und gefällt den Leuten gut. Also manchmal klappt es einfach.

Elwetritsche-Räp – YouTube

Antenne: Ihr Buch ist eine Mischung aus Krimi und Comedy. Inwiefern war es schwer, Comedy Elemente in Ihr Buch einzubauen?

Helge Weichmann: Der Humor in der Elwetritsche-Reihe fällt eigentlich von selbst rein. Denn die Elwetritsch ist ja ein unglaublich humorvolles und lustiges Wesen, das mit seinem Kästenschnabel, mit seinen frechen Antworten und mit seiner gewissen Nonchalance alles runterbügelt. Da kann der Kommissar noch so sauer sein oder es kann noch so eine schwierige Situation sein. Die Elwetritsch hat immer einen Spruch parat, hat immer eine Lösung parat und das dann mit einem solchen Augenzwinkern, das ich beim Schreiben und hoffentlich auch die Leserinnen und Leser beim Lesen dann mitkichern und sagen, ach, gucke mal, die Elwetritsch schon wieder, super.

Auch Lesungen mit Helge Weichmann sind sehr spaßig. Wenn ihr euch davon überzeugen wollt. Hier findet seine nächste Lesung bei uns in der Pfalz statt.

11.05.2025 im Landfrauenheim Mörlheim, Mörlheimer Hauptstraße 43, 76829 Landau in der Pfalz. Beginn ist um 17 Uhr. Eintritt 8 €

Geschrieben von: Vanessa Lynn

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